Wie ich die „mollige“ 120 005 auf die H0 Schiene bringen will…

Da die DB Baureihe 120 sozusagen „DIE“ Elektrolokomotive meiner Kindheit ist, bin ich auch von dieser besonders fasziniert. Mein erster Versuch eine besondere Lok dieser Baureihe in H0 zu kreieren war die 120 502 von DB Netz in ihrer gelb/grauen Farbgebung. Da ich allerdings keine Ahnung vom Lackieren habe, hat dies für mich der Controller (WRB) unter Verwendung von Decals von Andreas Nothaft erledigt. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Ein weiteres Unikat aus der 120er Familie ist die Lokomotive 120 005, welcher Ulrich Budde in seinem Blog „Bundesbahnzeit“ als molligen Prototyp bezeichnet. Diese Bezeichnung verwende ich an dieser Stelle einfach weiter und Verweise auch auf den ausführlichen Bericht samt toller Bilder „120 005 – Der mollige Prototyp“.

120 005 – Das Vorbild

Die 120 005 entstand als letztes Versuchsfahrzeug der Vorserie und wurde mit 200km/h tauglicher Getriebeübersetzung ausgeliefert. Ziel wares die Baureihe 120 auch für den schnellen IC Dienst heranzuziehen zu können. Unglücklicher Wiese befand sich 1979 die Lok, zusammen mit ihrer Schwester 120 003, schon in der Endmontage, so dass keine tiefgreifenden Änderungen mehr möglich waren. Daher sind die „Verbesserungen“ eher kosmetischer Natur und auch als kurzfristiger „Technologieträger“ für den ICE-V einzuordnen. Die Änderungen zu den anderen vier Vorserienlokomotiven der Baureihe 120.0 waren wie folgt:

  • Geänderte Getriebeübersetzung, welche für das tempo von bis zu 200km/h ausgelegt war.
  • Ausrundung des Führerhausdachs durch eine aufgesetzte Haube
  • Tieferlegung des Frontknicks bis knapp über die unteren Lampen
  • Durch den tieferen Frontknick schräger Abfall der Farbtrennkante ab der Fahrertür.
  • Verschließen des Spalts zwischen Lokkasten und Verschleißpufferbohle durch demontierbare Verblendungsbleche.
  • Anbau einer kleinen Schürze unterhalb der Pufferbohle.

Das die Änderungen nicht für die Ewigkeit bestimmt war, musste den Ingenieuren schon vorher klar gewesen sein, da bis auf den runtergezogene Frontknick alle Änderungen im Sommer 1980 wieder zurück gebaut wurden.

Die Idee: 120 005 in 1:87

Wie schon gesagt, ist die 120 005 als 120er Fan ja schon ein muss. Besonders weil Sie noch kein Modellbahnhersteller für sich entdeckt hat und somit ein richtiges Unikat entstehen würde. Dies könnte man natürlich jetzt selbst auf Basis einer bestehenden 120er machen, und Ihr einfach eine Haube aufspachteln, lackieren – fertig. Aber dann hätte diese keinen heruntergezogenen Frontknick. Zudem gibt es durch „Reverse Engineering“ und 3D Druck die Möglichkeit sich sein eignes Hütchen für ein Chassis zu designen und sich bei einem der vielen 3D-Druckdienstleister fertigen zu lassen. Dies ist auch mein Plan, welchen ich hoffentlich in den nächsten Monaten in die Realität umsetzen kann:

  1. 3D Objektscan um die mechanischen Schnittstellen zum Lokchassis zu generieren
  2. Komplettes nachzeichnen der 120 005 im CAD
  3. Optimierung der Basiskonstruktion z.B. durch geätzte Lüftungsgitter oder passgenaue Aufnahmen für Sommerfeldt Pantographen
  4. Schneller Prototypendruck mit einem Ultimaker 3D Drucker – Überprüfung der mechanischen Schnittstellen
  5. Erstellung der Decals
  6. Druck des finalen Gehäuses auf einem professionellen SLS Drucker
  7. Lackieren und auftragen der zuvor erstellten Decals
  8. Probefahrt!

1. und 2. Phase

Die erste Phase habe ich dank der Control in Stuttgart recht schnell hinter mich gebracht. Hier wurden von einem sehr hilfsbereiten Hersteller für industrielle Computertomographen (CT) ein Scan eines bestehenden Kunststoffgehäuses erstellt. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Der Scan ist so gut, dass man sogar den aufgetragenen Lack mit seiner dünnen Schichtdicke sichtbar machen kann. Wählt man die Einstellungswerte im Histogramm geschickt, fällt dies auch weg.

3D Datensatz eines Kunststoffgehäuses

Ein Nachteil der hohen Auflösung ist aber, dass die Datenmenge für ein herkömmliches CAD Programm zu umfangreich ist. Die Volumendaten aus der CT Rekonstruktion haben schon eine Größe von 23GB. Dies bringt selbst meine professionelle Workstation an ihr Limit. Auch eine daraus abgeleitete STL Datei ist noch viel zu groß um im CAD sinnvoll bearbeitet werden zu können. Will man die Datei wie ich bearbeiten, so bleibt einem nur der weg der starken Geometrievereinfachung und dem aufwändigen Nachzeichnen. Aber auch diese Arbeit ist dann nicht umsonst, da man so immerhin urheberrechtlichen Problemen des ursprünglichen Modellherstellers aus dem Weg geht.

 

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